Juli 2026: Rarität des Monats

Melkschemel | (c) Altertrümmer Klingbachtal e.V. / Rainer Tempel | Verwendung nur mit schriftlicher Zustimmung des Vereins



Der Melkschemel

Ein Melkschemel ist ein kleiner Hocker, der beim Melken im Anbindestall verwendet wurde. Typische Melkschemel bestehen aus einem einzelnen Standfuß und einer runden Sitzplatte. Da man beim Melken beide Hände braucht und von Kuh zu Kuh wechseln muss, kann der Schemel normalerweise mit einer Garnitur umgeschnallt werden.

Mit der Erfindung der Melkmaschine wurden Melkschemel überflüssig.

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Auf Youtube haben wir ein Video gefunden, in dem einer erklärt, wie das funktioniert, mit dem Melken im kleinen Stall. Natürlich hat der Melker von heute den Hightec-Melkschemel im Einsatz, aber etwas balancieren muss er auch darauf. Es lohnt sich im Übrigen, auch einmal die Kommentare unter dem Video zu lesen – da sieht man, was die Leute vom Fach darüber denken!

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Juni 2026: Rarität des Monats

Schnapsfilter der Fa. Wickert in Landau (c) Altertrümmer Klingbachtal e.V. / Rainer Tempel - Verwendung nur mit schriftlicher Zustimmung des Vereins



Der Landauer Schnapsfilter

Unser Schnapsfilter wurde von der Fa. Wickert in Landau hergestellt. Es ist ein sog. Anschwemmfilter, mit dem durch Feinfiltration Trubstoffe aus Destillaten entfernt werden können.

Die Feinfiltration wird dadurch erreicht, dass zunächst ein Filterhilfsmittel – das Anschwemmmittel, z. B. Zellulose – auf die Filterfläche aufgebracht und mit einer Trägerflüssigkeit angeschwemmt wird. Dadurch bildet sich ein sehr feinporiger Filterkuchen, der die Trubstoffe aufnimmt. Das Filtrat, also die geklärte Flüssigkeit, fließt nach unten ab und kann über einen Hahn abgelassen werden.

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Mai 2026: Rarität des Monats

Unsere selbstgebaute Bandsäge auf einem "Wanderer"-Chassis



Die fahrbare Bandsäge

Wie alt diese fahrbare Bandsäge ist, lässt sich nicht genau feststellen. Chassis und Getriebe stammen von einem Wanderer-PKW, der Deutz-Diesel mit Verdampfungskühlung, der jetzt Säge und Fahrwerk antreibt, ist vom Anfang der 1950er Jahre, davor war das gleiche Modell von 1932 eingebaut. Vermutlich wurde die Maschine kurz vor oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf Basis eines Schrott-PKW konstruiert, wahrscheinlich von einem Fachbetrieb in Landau. Sie war bis 2023 in Lug im Einsatz.

Als selbstfahrende Arbeitsmaschine mit einer maximalen Geschwindigkeit von 6 km/h braucht die Säge keine Zulassung, um auf der Straße zu fahren. Für den Fahrbetrieb wird der von der Riemenscheibe des Motors angetriebene Flachriemen von der Riemenscheibe der Säge auf die Scheibe des Fahrantriebs verschoben. Für Fahrten außerhalb unseres Standortes ziehen wir es allerdings vor, die Säge auf einem Anhänger zu transportieren.

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Unsere selbstgebaute Bandsäge auf einem "Wanderer"-Chassis
Altertrümmer-Mitglied Tom Schäffer führt die Bandsäge vor. Auch mit über 90 Jahren funktioniert sie noch einwandfrei.

Auf dem Traktortreffen 2025 haben wir die Bandsäge für die Zuschauer zum Laufen gebracht. Nicht ganz so einfach – aber am Ende lief sie!

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April 2026: Rarität des Monats

Ein Kumb aus einem Kuhhorn auf liegt auf einem Eichentisch



Der Kumb


Sense, Wetzstein und Kumb (hochdeutsch auch „Kumbf“ genannt) sind die zusammen notwendigen traditionellen Werkzeuge für das Mähen von Gras, früher auch von Getreide.

Das Sensenblatt muss beim Mähen regelmäßig nachgeschärft werden, was man mit dem Wetzstein macht. Dieser längliche, ovale Stein besteht oft aus Siliciumcarbid und wird am besten nass verwendet, weswegen er bei der Arbeit im Kumb mitgeführt wird, in dem er in etwas Wasser ruht. Der Kumb oder Wetzsteinbecher besteht aus Holz, Blech oder einem Kuhhorn und wird am Gürtel getragen.

Kumb aus Holz (c) Altertrümmer

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Viele Besitzer von Wiesen- und Obstgrundstücken kehren wieder dazu zurück, das Gras traditionell mit der Sense zu mähen. Das ist schonender für Pflanzen und Tiere. Allerdings ist es auch richtig Arbeit und das Werkzeug muss funktionieren. Wie man die Sense schärft, seht Ihr hier im Video – und „unser“ Kumpf ist im Einsatz.

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März 2026: Rarität des Monats



Eisschrank EFA Eiskfink


Ein Eisschrank ist ein Vorläufer des Kühlschranks. Er verbraucht keinen Strom, denn die Kühlung erfolgt durch Eis. Im Grunde ist er ein einfacher Schrank mit zwei Fächern. In das obere wurden Eisstücke oder Stangeneis eingelegt, in dem zweiten darunter wurden die Lebensmittel aufbewahrt. Trotz guter Isolierung taute das Eis im Eisfach langsam ab. Das Schmelzwasser floss über eine Röhre in eine Wanne am Boden des Schrankes, aus der es mit einem Hahn abgelassen werden konnte.

Unser „Eisfink“ stammt aus den 1930er Jahren, einer Zeit als das Stangeneis vom sogenannten Eismann geliefert wurde, der große Mengen Eis in einem Kühlhaus oder Eiskeller aufbewahrte. Das Eis vom Winter wurde dort für den Sommer eingelagert und dann an die Haushalte und Geschäfte verteilt. Noch bis vor 50 Jahren wurde Stangeneis in Restaurants zur Getränkekühlung benutzt.

Heute gibt es keine Eiskeller mehr, und unter Eismann versteht man jetzt den Speiseeisverkäufer. /rt

Der Eismann war noch bis in die 50er Jahre so normal, dass kaum jemand auf die Idee kam, diesen auf Bildern oder im Film festzuhalten. Hier ein Fund aus dem Bundesarchiv: Auch in der Großstadt (West-)Berlin gab es nach dem Krieg noch Eismänner. Dort gibt es übrigens auch noch einen Ortsteil namens „Eiskeller“. Bei uns auf den Dörfern sind die Eiskeller mittlerweile aus dem Ortsbild verschwunden.

(c) Bundesarchiv
Zentralbild Zimontkowski 6.7.1957 Berlin bei 30° im Schatten Sehnsüchtig wird in diesen Tagen in vielen Haushalten und Geschäften der „Eismann“ erwartet. Aber auch unsere Kleinen empfangen ihn mit Freuden – ob wohl ein Tropfen abfällt?

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Februar 2026: Rarität des Monats



Unser Stromwagen


Unser Stromwagen stammt wahrscheinlich aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Damals konnten sich die meisten Bauern keine eigene Dreschmaschine leisten und das Dreschen mit Dreschflegeln war noch die Regel. Es gab aber auch Lohnunternehmer, die mit einer Dreschmaschine zu den Bauern kamen. Diese Maschine wiederum brauchte einen Antrieb. Das konnte eine Dampfmaschine sein oder ein Elektromotor. Ein Stromwagen hat in seinem Innern einen Elektromotor und seitlich eine Riemenscheibe für einen Flachriemen. Da längst nicht alle Dörfer damals mit Strom versorgt waren, konnte man mit dem Stromwagen und der Dreschmaschine auch einfach in der Nähe einer 380-Volt-Freileitung dreschen. Dazu führte der Stromwagen zwei lange Holzstangen mit Haken mit sich, mittels derer die Anschlusskabel des Elektromotors direkt an die Freileitung angeschlossen wurden. Im Wagen befand sich ein Zähler, so dass der Verbrauch korrekt abgerechnet werden konnte. Klingt abenteuerlich, und wir haben auch bis jetzt nicht geplant, dieses Anschlussverfahren auszuprobieren.

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Januar 2026: Rarität des Monats

(c) Altertrümmer / Rainer Tempel



Entrahmerschüssel


Will man Butter selbst herstellen, braucht man Rahm. Früher holte man Frischmilch beim Bauern, wenn man nicht selbst eine Kuh hatte. Das war natürliche Vollmilch, also mit dem vollen Rahmanteil. Der schwankt je nach Haltung, Rasse und Witterung und liegt zwischen 3,8 und 4,5 %. Kauft man Vollmilch im Handel, ist der natürliche Fettgehalt meist so eingestellt, dass er mindestens 3,5 % beträgt, denn die Milch wird erst entrahmt und durch die Zugabe von entzogenem Rahm auf 3,5 % eingestellt. Bei nicht-homogenisierter Milch kann sich der Rahm als Schicht oben absetzen, während bei homogenisierter Milch der Rahmanteil gleichmäßiger verteilt ist und auch so bleibt.

Milch entrahmt am einfachsten mit einer Zentrifuge. Wer aber diese relativ teure Maschine nicht besitzt, hat relativ einfache Möglichkeiten, von denen der Gebrauch einer Entrahmerschüssel vielleicht die einfachste ist:

  • Natürliche, unbehandelte Vollmilch in die Entrahmerschüssel füllen,
  • Über Nacht (im Kühlschrank) stehen lassen.
  • Der Rahm setzt sich als Schicht oben ab.
  • Am nächsten Tag, den Verschluss vom Auslauf der Entrahmungsschüssel nehmen und die entrahmte Milch ablassen.
  • Den Rahm zu weiteren Verwendung aus der Schüssel nehmen.

Entrahmungsschüsseln kann man scheinbar nicht mehr kaufen – es gibt sie nicht mehr.
-rt

Buttermachen war eine ziemliche Arbeit. Außerdem brauchte man, um genug Rahm zu haben, Unmengen von Milch. Deshalb war Butter immer teuer und früher konnten sich nicht alle Butter aufs Brot schmieren. Das schwäbische Bauernhofmuseum in Illerbeuren hat ein Video ins Netz gestellt, auf dem die Arbeit zu sehen ist. Der Rahm ist dort allerdings schon von der Butter getrennt.


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Der Bayerische Rundfunk hat zu dem Thema auch ein längeres Video in der Mediathek:

  • Januar 2026: Rarität des Monats
    Klarstellung: die Butter kommt nicht aus dem Supermarkt. Sie kommt aus der Kuh und muss mit ziemlichem Aufwand aus frischer Milch hergestellt werden. Aber wer tut das heute noch? Früher musste man. Deshalb gab es die Entrahmerschüssel.
  • Februar 2026: Rarität des Monats
    Strom auf dem Acker – das war Anfang des 20. Jahrhunderts schon möglich. Allerdings nur durch „Anzapfen“ der Freialndleitungen, die durchs Land führten. Genau dafür wurde unser Stromwagen konstruiert.
  • März 2026: Rarität des Monats
    Lebensmittel zu kühlen war bis in die 50er Jahre oft eine Herausforderung. Der elektrische Kühlschrank war vielfach noch eine Ausnahmeerscheinung, deshalb wurde z.B. im Kingener Dorfgemeinschaftshaus eine gemeinschaftliche Kühlkammer eingerichtet. Viele Haushalte hatten unserer Rarität im Haus, die auch ohne Strom auskam.
  • April 2026: Rarität des Monats
    Der Kumb war früher imme dabei, wenn es ans Mähen ging. Mehr dazu hier
  • Mai 2026: Rarität des Monats
    Eine ganz besondere Rarität im Monat Mai: unsrere Bandsäge aus dem 30er Jahren ist nicht von der Stange! Dafür ist sie ein Paradebeispiel für Nachhaltigket.
  • Juni 2026: Rarität des Monats
    Unsere Rarität für den Monat Juni war früher in der Südpfalz weitverbreitet im Einsatz. Der Schnapsfilter machte den Selbstgebrannten klar.
  • Juli 2026: Rarität des Monats
    Unsere Rarität für den Monat im Juli ist nur noch im kleinen Stall im Einsatz: der Melkschemel war tägliches Utensil in einer Zeit, in der auch die Südpfalz noch eine bunt gemischte (Selbstversorger-)Landwirtschaft hatte

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